Was ist Gesundheitsökonomie?



Eine einfache Definition mit komplexer Bedeutung

Nach einer einfachen Definition ist Gesundheitsökonomie die Anwendung ökonomischer Prinzipien auf die Gesundheit und das Gesundheits- bzw. Pflegewesen. Aber was heißt das genau? Im Gegensatz zu dem, was wir gerne glauben wollen, stehen nirgendwo Ressourcen unbegrenzt zur Verfügung, auch nicht im Gesundheits- oder Pflegewesen. Aus diesem Grund ist es notwendig, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir mit den gegebenen Mitteln für das Individuum und die Bevölkerung den größten Nutzen herausholen können.

Allerdings fällt es oft schwer, Gesundheit im Kontext von Geldangelegenheiten zu diskutieren. Es werden rasch ethische Bedenken geäußert, sich überhaupt mit den Kosten- und Nutzenaspekten von Gesundheits-oder Pflegeleistungen zu befassen. Das Problem dabei ist aber, dass die Realität begrenzter Mittel nicht dadurch verschwindet, dass wir die Diskussion darüber vermeiden. Ganz im Gegenteil bedeutet das „Wegschauen“ und „Sich-nicht-beschäftigen-wollen“, dass die im Gesundheitswesen Arbeitenden oder Angehörigen die Unzulänglichkeiten des Systems austragen müssen (auch deren Ressourcen sind ja limitiert!) und dass wir schlicht darauf verzichten, aus den nun einmal beschränkten Mitteln das Maximum für Kranke und Pflegebedürftige zu machen. Mit anderen Worten, ohne eine Diskussion über die Mittelverwendung in Gesundheits- und Pflegewesen akzeptieren wir, dass nicht näher identifizierte Personen weniger und schlechtere Gesundheits- und Pflegeleistungen erhalten als möglich wäre!

Selbstverständlich bedeuten die Erkenntnisse der Gesundheitsökonomie auch sehr oft, dass der Status quo änderungsbedürftig ist. Selbst in der kurzen Frist erfordert das Anpassungen von den Beteiligten, politische Interessen werden berührt und es werden überdurchschnittliche Einkommensmöglichkeiten hinterfragt. Daher werden die oben genannten, vorgeblich ethischen Bedenken gerne von den Profiteuren des Status quo ins Feld geführt, um Veränderungen zu verhindern, die ihren politischen Interessen oder ihren Einkommensinteressen zuwider laufen.

Die Sicht der ATHEA

Die ATHEA möchte in einer oftmals irrational geführten Diskussion die Schaffung und Verwendung rationaler Argumente fördern. Wir glauben, dass die Gesundheitsökonomie die notwendige Wissensbasis schaffen kann, die hilft, unser Gesundheits- und Pflegewesen zu verbessern. Das Ziel muss es sein, trotz limitierter Mittel das Optimum für Menschen mit Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen zu erreichen.

Wir erkennen dabei die Grenzen der Gesundheitsökonomie an. Nicht jede Entscheidung kann quasi technokratisch nur nach Erkenntnisgewinnen getroffen werden. Viele Fragen müssen letztlich anhand einer gemeinsamen Wertebasis entschieden werden. Diese sollte aber eben auf der besten zur Verfügung stehenden Wissensgrundlage beruhen.

Wir erkennen auch an, dass zur Erreichung dieser Ziele ein weites Spektrum an Methoden eingesetzt werden muss. Wir befürworten pluralistische theoretische Zugänge und die Verwendung von quantitativen und qualitativen Methoden sowie den Dialog mit verwandten Disziplinen.

Wir sehen als Feld der Gesundheitsökonomie sowohl das Gesundheits- als auch das Pflegewesen. Während auf der klinischen Seite die Sprache oft verschieden ist (einfach gesagt, ICD-10 vs. ADL), ist das gemeinsame Ziel doch das Wohl des Menschen. Um dieses zu verbessern, sollten auch die verschiedenen Berufsgruppen Werte teilen, zusammenarbeiten und sich um gegenseitiges Verständnis bemühen. Ebenso sollte, auch wenn im Einzelfall nur die Pflege oder die kurative Medizin das Thema ist, die Analyse nicht künstlich versuchen, die Aspekte der physischen und psychischen Gesundheit von der Funktionalität des Menschen zu trennen.